Kann ich als transformativer Coach direktiv sein?

von Rainer Molzahn


Kann ich als transformativer Coach direktiv sein

 

Eine wirklich gute Frage. Direktiv sein heißt zu sagen: Tue dies, lasse jenes. Sag dies, sag jenes nicht. Lauf nach links, nicht nach rechts. Das kann man, muss man vielleicht sogar als Fußball-Coach machen – aber in Prozessen, in denen es um Lebensweg-Entscheidungen geht? Entschuldigung?

 

Wollen wir, dürfen wir etwa die Verantwortung übernehmen dafür, welche Lebensentscheidungen unser*e Coachee trifft? Nee, oder?


Nein, das wollen und dürfen wir natürlich nicht. Die Willens- und Entscheidungsfreiheit unserer Klient*innen ist uns in unserer professionellen Beziehungsaufnahme sozusagen heilig. Ein No-Go. Schließlich arbeiten wir mit mündigen Erwachsenen. Anders als ein Fußball-Coach können wir es uns nicht leisten, für Fehlentscheidungen unserer Coachees zur Rechenschaft gezogen zu werden. Nicht zuletzt werden die auch wesentlich besser bezahlt … 

 

Unsere Antwort auf die Frage ‚wie direktiv darf ich werden?‘ können wir also nicht auf der inhaltlichen Ebene beantworten. Eben nicht im Sinne von ‚Tue dies, lasse jenes‘. Was mir aber im Prozess des Schreibens von Transformatives Coaching kristallklar geworden ist, nach Jahrzehnten des Praktizierens, Forschens und Lehrens, ist dies:

 

Wir dürfen nicht nur, wir sollten sogar von Grenze zu Grenze des transformativen Veränderungsprozesses ‚direktiver‘ werden:

  • Grenze 1: was ist jetzt? Be-Achten 
  • Grenze 2: was konfrontiert dich da? Be-Schreiben
  • Grenze 3: wozu fordert dich das auf? Be-Deuten 
  • Grenze 4: wer bist du? Scheiden und Ent-Scheiden

 

Direktiver werden im Sinne der Verlangsamung und Verstärkung dessen, was gerade passiert. Nicht inhaltlich, sondern prozessual. Das hat damit zu tun, dass von Grenze zu Grenze die Menge der zu prozessierenden Daten ab-, aber im Gegenzug die Verlangsamung zunimmt. Auf die Frage ‚was ist jetzt?‘ kann man sehr schnell antworten, und dabei die Aufmerksamkeit auf eine Auswahl von Milliarden Sinneseindrücken richten – Grenze 1. Auf die Frage ‚wer bist du?‘ (die auf eine Datenmenge von 1 abzielt) – Grenze 4 – kann man/frau nicht wie aus der Pistole geschossen antworten. Besonders, wenn der Wind der Veränderung weht und die Nerven blank liegen. 

 

All das bedeutet, dass unsere Arbeit als transformative Coaches von Grenze 1 bis Grenze 4 immer zur Zeremonienmeisterin der Veränderung werden. Von „merkst du, wie du gerade…“ über „wie kommt es eigentlich, dass…“ bis „nimm dir doch bitte einen halben Tag Zeit, um…“.

 

Von situativer Verstörung bis zu ritueller Anweisung. Nur verstören reicht nicht, und nur Rituale verschreiben reicht auch nicht. Unsere Wirksamkeit als Coach ist hauptsächlich eine Sache des Timings. Und dies ist nichts anderes als die dramaturgische Entscheidung, wie direktiv unsere aktuelle Intervention aufgrund unserer Prozessdiagnose sein sollte: an welcher Grenze steht mein Coachee, und welches Ausmaß an Verlangsamung und Verstärkung braucht der Prozess jetzt? 

 

Wenn uns das hinreichend gelingt, können wir uns an der letzten Grenze wieder ganz zurücknehmen, so dass sich unsere*r Coachee ganz verantwortlich seiner bzw. ihrer Antwort widmen kann:

  • Grenze 5: wo gehöre ich hin? Be-Wirken 

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Person und Rolle im transformativen Coaching

Rainer Molzahn

 

Leiter der Coaching-Ausbildung, Leadership-Coach und Autor

 

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