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5 Archetypen an der Grenze gegen die Veränderung der Identität

von Rainer Molzahn


Archetypen in Veränderungsprozessen

 

Jeder Veränderungsprozess, jede Transformation, ist individuell und einzigartig - genau wie jeder einzelne Mensch auf diesem Planeten. 

 

Trotzdem gibt es an der Schwelle zur Transformation unseres Selbstbildes 5 Archetypen, die uns als Coaches und auch als Transformand*innen bei der Orientierung helfen. 

 

Welche Archetypen begegnen uns an Grenze 4?


An der 4. Grenze geht es um unsere Identität - wer bin ich?

Der Begriff kommt von lat. Idem, d.h. der- oder dasselbe. Logisch betrachtet, ist das eine Datenmenge von 1.

 

In interessantem Gegensatz zu dieser Verringerung der zu bewältigenden Menge an Information steht der Aufwand an Zeit und psychischer Energie, den es braucht, um diese einfache Frage für uns zu beantworten. Nirgendwo in dem Prozess vom Wahrnehmen bis zum Handeln kommt es so sehr wie hier darauf an zu verlangsamen, bevor wir handeln – damit die Antwort, die wir geben, gründlich überlegt und intelligent ist und mehr Gutes als Schlechtes bewirkt.

 

Auf jeden Fall wird sie hervorgehen aus einem bewussten Dialog zwischen Person und Rolle, der eventuell in ein verändertes Rollenverständnis mündet, vielleicht auch in eine Zurückweisung, Kündigung oder Neuerschaffung.

 

Es gibt nicht viele Gelegenheiten, zu denen wir aufgerufen sind, uns als Personen wirklich und merklich (wenn auch nur zeitweilig) über unsere Rolle zu erheben. Im Alltag, wir haben das schon mehrfach getrommelt, gewinnt die Rolle, und das ist auch gut so.

 

Im Wesentlichen sehen wir fünf Anlässe dafür, und sie sind nicht unabhängig voneinander, sondern fünf Variationen derselben Geschichte:

Ethische Entscheidungen

Den Mund aufmachen oder sich verabschieden, nicken oder protestieren, verändern oder aufgeben … Ethische Entscheidungen treffen wir immer als Personen. Sie haben unter Umständen erhebliche Auswirkungen auf unsere Rolle. An dieser Stelle grüßen wir als Personen und von Herzen alle Whistleblower, alle Edward Snowdens und Chelsea Mannings dieser Welt. 

Innovation

Sich etwas Neues ausdenken, für das es noch kein Template, kein Budget, keinen Marketingplan und keinen reservierten Parkplatz gibt. Kreativ sind wir immer als Personen. Sobald wir beginnen, unsere Innovation in die Welt zu bringen, sind wir wiederum in unserer Rolle herausgefordert. Wir grüßen hier all die, die ihre eigenen Startups gegründet haben, nachdem sie mit ihrer Idee in ihren überkommenen Rollen in ihren desinteressierten Großunternehmen nicht durchkamen. 

Coming Out

Mit einer Seite von sich rauskommen, die wir uns bisher nicht getraut haben zu zeigen. Nicht immer nur konstruktiv sein müssen. Konfrontieren können. Nicht weglaufen, wenn es einen Konflikt gibt. Selbstzweifel zeigen können, Unentschiedenheit aushalten. Alles Dinge, die nicht unmittelbar unsere Rolle in Frage stellen, die aber doch unsere Beziehungsaufnahme zu anderen verändern, und daraufhin deren zu uns. Und das alle kann dann wieder gravierende Auswirkungen auf unsere Rolle haben.

In Führung gehen

Für das eintreten, woran wir glauben, was wir richtig finden, was uns nicht nur für uns selbst, sondern auch für die anderen am Herzen liegt. Bewusst und in voller Absicht den Versuch unternehmen, andere von dem zu überzeugen, was wir bedeutungsvoll finden. Gemeinsames Handeln inspirieren. Sich an den eigenen Versprechen messen lassen. Dieser Schritt ist ganz besonders anspruchsvoll dann, wenn wir keine hierarchische Rolle haben, die so etwas ohnehin von uns erwartet. Wenn wir ihn geglückt hinlegen, wartet eventuell eine neue Rolle auf uns … 

 

Und dann – es wäre für uns in der Autorenrolle unredlich, sie zu verschweigen – gibt es noch diese fünfte Variation, ein fünftes Ergebnis des Dialogs zwischen Person und Rolle, der an Grenze 4 des transformativen Signalverarbeitungsprozesses stattfindet: 

Dienen

Sich ganz bewusst, und vielleicht nach heftigen inneren Verhandlungen, dazu entscheiden, uns als Person unserer Rolle zu ergeben. Anerkennen, dass der Beitrag für die Gemeinschaft, den unsere Rolle repräsentiert, jetzt wichtiger ist als unsere persönliche Befindlichkeit. Dass jetzt nicht Stolz, Eitelkeit und Ehrgeiz von uns gefordert sind, nicht Rebellion, sondern Demut. Auch für einen solchen Prozess der in einer Entscheidung für das Dienen mündet, gibt es eine Zeit und einen dramaturgischen Ort im Leben, und er ersetzt keinen der obigen. Seine Voraussetzung ist Meisterschaft in der Rolle, und sein Ergebnis, mit ein bisschen Glück, ist persönliche Ältestenschaft. 

Die Konsequenzen aus den 5 archetypischen Wegen betrachten wir dann im nächsten Beitrag.

(Spoiler: Es geht um Verrat).

Dieser Text ist ein Auszug aus der Buchreihe "Transformatives Coaching und Mentoring".


Person und Rolle im transformativen Coaching

Rainer Molzahn

 

Leiter der Coaching-Ausbildung, Leadership-Coach und Autor

 

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